Eine neue EROTIK.com-Studie mit über 1.000 Teilnehmenden zeigt: Gemeinsamer Pornokonsum ist längst aus der Tabuzone heraus – und wirkt sich für die übergroße Mehrheit positiv auf die Partnerschaft aus.
Was die Studie zeigt – auf einen Blick
Pornos in der Beziehung – jahrzehntelang ein Thema, über das hinter vorgehaltener Hand gesprochen wurde, wenn überhaupt. Lange galt der Konsum als heimliche Angelegenheit, als etwas, das man eher verschweigt als teilt, und schon gar nicht mit der eigenen Partnerin oder dem eigenen Partner. Eine aktuelle EROTIK.com-Befragung unter 1.047 Personen zeichnet nun ein völlig anderes Bild: Das Tabu bröckelt – und zwar deutlich.
Nur noch 10 Prozent der Befragten halten gemeinsamen Pornokonsum überhaupt für ein Tabuthema. Demgegenüber stehen 64 Prozent, die ihn als „völlig" oder „eher normal" einstufen. Weitere rund ein Viertel positionieren sich neutral. Das bedeutet: Was lange als Grenzüberschreitung galt, ist in der Wahrnehmung einer großen Mehrheit längst Teil eines normalen Beziehungsalltags geworden.
Dieser Wandel ist umso bemerkenswerter, weil Pornokonsum in der öffentlichen Debatte häufig noch immer mit Skepsis betrachtet wird – sei es aus moralischer, feministischer oder beziehungspsychologischer Perspektive. Die Daten der EROTIK.com-Studie zeigen jedoch, dass die Realität in den Schlafzimmern eine andere ist als das öffentliche Narrativ vermuten lässt. Und mehr noch: Wer den Schritt einmal gewagt hat, will ihn nicht mehr missen.

Die vielleicht überraschendste Zahl der Studie betrifft jene Paare, die gemeinsamen Pornokonsum bereits regelmäßig praktizieren: 93 Prozent von ihnen halten diesen Konsum für positiv für ihre Beziehung. Nicht knapp die Mehrheit, nicht eine deutliche Mehrheit – nahezu alle.
Noch aufschlussreicher ist der direkte Vergleich entlang der Konsumhäufigkeit. Die Zustimmung sinkt mit abnehmender Praxiserfahrung – aber selbst in der Gruppe „Nie" befürworten immer noch 57 Prozent die Idee gemeinsamen Konsums grundsätzlich. Klar ablehnend äußert sich dort nur eine kleine Minderheit von rund 12 Prozent. Das Muster ist eindeutig: Skepsis ist nicht der Normalfall, sondern die Ausnahme – und sie konzentriert sich dort, wo Erfahrung fehlt.

Die Implikation ist beziehungspsychologisch interessant: Wer den Konsum einmal ausprobiert hat, bewertet ihn fast immer positiv. Vorbehalte halten dem Realitätscheck also selten stand. Wer nie gemeinsam geschaut hat, schätzt das Risiko größer ein, als es sich später erweist.
Die EROTIK.COM Studie hat fünf konkrete Auswirkungen abgefragt, jeweils auf einer Skala von 1 (stimme gar nicht zu) bis 5 (stimme voll zu). Die Ergebnisse zeichnen das Bild eines unerwarteten Intimitäts-Boosters.

In vier von fünf Dimensionen überwiegt die Zustimmung deutlich. 58 Prozent der Paare mit gemeinsamem Konsum sagen, dass ihre Sexualität dadurch bereichert wurde. Für 56 Prozent hat sich der gemeinsame Pornokonsum insgesamt positiv auf die Beziehung ausgewirkt. 51 Prozent berichten von gestärkter sexueller Nähe – ein Effekt, der dem verbreiteten Vorurteil widerspricht, Pornos würden Paare voneinander entfremden.
Besonders aufschlussreich ist der Kommunikationseffekt: 56 Prozent sagen, sie sprächen durch das gemeinsame Schauen offener über sexuelle Wünsche. Was Sexualtherapeut:innen seit Jahren als zentrale Herausforderung benennen – die Sprachlosigkeit von Paaren über ihre Bedürfnisse – wird hier offenbar durch ein gemeinsam geteiltes Medium aufgebrochen.
Etwas verhaltener fällt die Zustimmung beim Thema sexuelle Selbstsicherheit aus: Hier sagen 38 Prozent, der gemeinsame Konsum habe ihr sexuelles Selbstvertrauen gestärkt – ein positiver, aber kein eindeutiger Effekt. Das individuelle Selbstwertgefühl profitiert offenbar weniger zwingend als die Paardynamik.
Wenn Paare gemeinsam konsumieren, dann mit klarer Funktion. 70 Prozent nutzen Pornos zur Einstimmung auf Sex. 52 Prozent schauen während des gemeinsamen Sex. 41 Prozent suchen Inspiration für neue Ideen, Fantasien oder Praktiken. Nur eine Minderheit von 9 Prozent schaut, ohne dass sexuelle Aktivität folgt.
Pornos ersetzen also keine Intimität – sie eröffnen sie. Sie sind kein Konkurrenzmedium zur Sexualität in der Partnerschaft, sondern eine Inszenierungsfläche, ein Auslöser, ein gemeinsam geteilter Anlass. Die These, Pornokonsum könne reale Begegnung verdrängen, findet in diesen Antworten keine Bestätigung.
Interessant auch der vergleichsweise kleine, aber bemerkenswerte Anteil von 16 Prozent, die Pornos explizit „als Gesprächsanlass über Wünsche" nutzen. Hier verschiebt sich die Funktion noch einmal: vom Stimulans zum Kommunikationsmedium. Für diese Paare ist der Konsum nicht (nur) erotisches Vorspiel, sondern aktives Werkzeug der Beziehungsarbeit.
Spannend wird es bei jenen Paaren, die angeben, nicht gemeinsam zu schauen. Was hält sie davon ab?

Die Antworten sind aufschlussreich – und unbequem. 64 Prozent geben an: Die Partnerin oder der Partner lehnt es ab. 28 Prozent sagen schlicht: „Wir haben noch nie darüber gesprochen, ich wusste nicht, wie ich es ansprechen soll." Unsicherheit oder Scham folgen mit 13 Prozent. Der klassische Pornodebatten-Reflex – Eifersucht und Angst vor Vergleich mit den Darsteller:innen – spielt mit nur 3 Prozent praktisch keine Rolle.
Das verschiebt das ganze Thema: Die größte Bremse für gemeinsamen Pornokonsum ist nicht die Scham, nicht die Angst vor dem Konsum, nicht die moralische Hemmung. Sie ist die Sprachlosigkeit zwischen den Partnern. Fast jedes dritte Paar hat das Thema nie angesprochen – nicht, weil sie es nicht wollten, sondern weil sie nicht wussten, wie.
Diese Erkenntnis ist im Doppelsinn entlastend: Wer den Wunsch hat, gemeinsam zu schauen, dem stehen meist weder tief sitzende Tabus noch Beziehungsängste im Weg – sondern eine schlichte kommunikative Hürde. Und kommunikative Hürden lassen sich überwinden.
Wie groß die Lücke zwischen Bedürfnis und Realität ist, zeigt eine weitere Zahl: Bei den Befragten in einer Beziehung, die nicht gemeinsam schauen, würden sich 49 Prozent wünschen, es zu tun. Fast die Hälfte. Anders gesagt: In etwa jedem zweiten Paar, das aktuell ohne gemeinsamen Konsum lebt, gibt es mindestens eine Person, die sich das Gegenteil wünscht – aber es nicht zur Sprache bringt.
Auch unter Singles ist die Offenheit hoch: 48 Prozent wünschen sich für eine zukünftige Beziehung den gemeinsamen Pornokonsum, nur 14 Prozent lehnen ihn klar ab.
Zusammengenommen zeichnet die Studie das Bild eines kulturellen Wendepunkts: Gemeinsamer Pornokonsum ist nicht mehr Grauzone, sondern eine Option, die viele Paare entweder bereits praktizieren oder sich zumindest vorstellen können. Was bleibt, ist die Notwendigkeit, darüber zu sprechen – und damit eine Schwelle zu überwinden, die kleiner ist, als sie scheint.
Die Studienergebnisse decken sich mit dem, was Psychologin Borbála Rozsnyik aus ihrer Praxis kennt. Sie zieht einen aufschlussreichen Vergleich: „Das erinnert mich daran, wenn ein Paar gemeinsam einen Film oder ein Theaterstück anschaut und danach darüber spricht. Wer hat was bemerkt, was denkt man über das Thema, mit wem kann oder möchte man sich identifizieren – und mit wem nicht." Ähnlich funktioniere es beim gemeinsamen Pornokonsum. Gerade weil es vielen Menschen schwerfalle, selbst für sich zu benennen, was sie erregt und was nicht, könne das gemeinsame Schauen eine Brücke bauen – teils sogar wortlos: „Manchmal werden Informationen schon nonverbal vermittelt. Zum Beispiel allein dadurch, dass ich vielleicht unbewusst wahrnehme, bei welchen Szenen sich die Atmung meines Partners oder meiner Partnerin beschleunigt oder stockt." Aus solchen Beobachtungen – oder aus direkten Äußerungen über besonders erregende Szenen – könnten Gespräche entstehen, die sonst kaum geführt würden: über Kontrolle, über körperliche Grenzen, über Fantasien.
Bemerkenswert findet Rozsnyik bereits den Schritt, sich überhaupt gemeinsam hinzusetzen und Pornos anzuschauen. Denn dieser Schritt sage etwas Grundsätzliches über die Beziehung aus: „Sowohl Studien als auch praktische Erfahrungen zeigen, dass ein wichtiger Indikator für gelingende Beziehungen darin liegt, wie sehr Sexualität innerhalb der Partnerschaft priorisiert wird – also wie bewusst sich Paare Zeit und Energie dafür nehmen, intime Zweisamkeit zu schaffen." Wer den gemeinsamen Konsum praktiziert, hat also bereits eine Hürde genommen, die für sich genommen schon beziehungsstärkend wirkt.
Dass 70 Prozent der Paare Pornos zur Einstimmung auf Sex nutzen und nur 9 Prozent ohne anschließende sexuelle Aktivität schauen, überrascht die Psychologin nicht: „Pornokonsum erhöht an sich bereits das sexuelle Erregungsniveau, man kommt also leichter in Stimmung. Deshalb endet eine solche gemeinsame Aktivität mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in sexueller Nähe oder Sex." Hinzu komme der Kommunikationseffekt – und damit ein zweiter, weniger offensichtlicher Gewinn: Wer offener über Sexualität spricht, vertieft auch die emotionale Verbundenheit.
Entscheidend sei das, was die Studie als zentralen Effekt identifiziert: die Kommunikation. „Gemeinsames Pornoschauen kann dafür tatsächlich ein Türöffner sein. Wie alles andere kann es aber auch zu Missverständnissen führen, wenn es nicht gelingt, die Situation gemeinsam einzuordnen, zu erleben und zu einer gemeinsamen Erfahrung zu machen." Der gemeinsame Konsum sei also weder Selbstläufer noch Allheilmittel – sondern ein Werkzeug, dessen Wirkung davon abhänge, wie Paare damit umgehen.
Aus dieser Perspektive bestätigt die Einschätzung der Psychologin den vielleicht wichtigsten Befund der Studie: Nicht der Konsum an sich macht den Unterschied, sondern das Gespräch, das er ermöglicht.
Zur Studie: Die Online-Befragung wurde von EROTIK.com im Jahr 2026 durchgeführt. Insgesamt nahmen 1.047 Personen teil. Die Stichprobe besteht überwiegend aus Befragten im Alter von 25 bis 65 Jahren.
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