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Trennungsatlas Deutschland

Hier gehen die meisten Ehen kaputt

Eine Analyse amtlicher Daten für 102 deutsche Großstädte zeigt: Bremerhaven hat Leverkusen als Scheidungshauptstadt abgelöst, der Osten liegt im Gesamtdurchschnitt weiter vor dem Westen – und im Ruhrgebiet trennen sich Paare besonders häufig. Eine Psychologin erklärt, warum wirtschaftlicher Druck Beziehungen so anfällig macht.

Bremerhaven, Leverkusen, Neumünster: An diesen drei Orten scheitern anteilig mehr Ehen als irgendwo sonst in Deutschland. Erotik.com hat die amtlichen Zahlen des Statistischen Bundesamts für 102 kreisfreie Großstädte ausgewertet und ins Verhältnis gesetzt – Scheidungen je 100 Eheschließungen im Berichtsjahr 2025. Das Ergebnis: ein neuer Spitzenreiter, ein stabiles Ost-West-Gefälle und ein Ruhrgebiet, das die Spitzengruppe der Tabelle dominiert.

Bremerhaven überholt Leverkusen

Bislang galt Leverkusen als "Scheidungshauptstadt Deutschlands" – mit einer Quote von 90,5 Prozent auf Basis von Zahlen aus dem Jahr 2023. Die aktuellen amtlichen Daten für 2025 zeichnen ein anderes Bild: Bremerhaven liegt mit 85 Scheidungen je 100 Eheschließungen nun an der Spitze, dicht gefolgt von Leverkusen (79,9 Prozent) und Neumünster (76,2 Prozent).

RangStadtQuoteScheid. / Ehen
1 Bremerhaven
85,2 % 155 / 182
2 Leverkusen
79,9 % 361 / 452
3 Neumünster
76,2 % 211 / 277
4 Krefeld
72,8 % 555 / 762
5 Duisburg
68,9 % 897 / 1.301
6 Halle (Saale)
67,7 % 410 / 606
7 Pforzheim
65,5 % 224 / 342
8 Hagen
64,6 % 362 / 560
9 Remscheid
58,3 % 236 / 405
10 Emden
57,6 % 118 / 205
11 Oberhausen
57,4 % 442 / 770
12 Herne
57,3 % 287 / 501
13 Frankfurt (Oder)
56,6 % 86 / 152
14 Worms
56,5 % 139 / 246
15 Magdeburg
51,8 % 340 / 657
16 Mönchengladbach
51,4 % 462 / 899
17 Essen
50,5 % 975 / 1.932
18 Kaiserslautern
50,2 % 153 / 305
19 Hamburg
50,1 % 2.688 / 5.365
20 Rosenheim
49,5 % 105 / 212
21 Brandenburg an der Havel
49,4 % 120 / 243
22 Delmenhorst
49,3 % 141 / 286
23 Mannheim
49,0 % 445 / 909
24 Weiden i.d.OPf.
48,5 % 83 / 171
24 Berlin
48,5 % 5.451 / 11.235
26 Salzgitter
48,0 % 153 / 319
26 Weimar
48,0 % 97 / 202
28 Gera
46,8 % 124 / 265
29 Bonn
46,6 % 664 / 1.424
30 Leipzig
46,4 % 904 / 1.947
31 Fürth
45,8 % 223 / 487
32 Heilbronn
45,4 % 224 / 493
33 Chemnitz
45,2 % 327 / 723
34 Amberg
44,9 % 75 / 167
35 Kiel
44,5 % 455 / 1.023
36 Dessau-Roßlau
44,3 % 105 / 237
37 Bayreuth
43,8 % 95 / 217
38 Dortmund
43,7 % 1.010 / 2.312
39 Hof
43,4 % 56 / 129
40 Dresden
42,3 % 790 / 1.867
41 Jena
42,2 % 105 / 249
42 Bremen
41,6 % 818 / 1.964
43 Potsdam
41,5 % 222 / 535
44 Bielefeld
41,2 % 528 / 1.283
45 Cottbus
40,9 % 99 / 242
46 Nürnberg
40,2 % 793 / 1.974
47 München
39,7 % 1.934 / 4.875
48 Rostock
39,6 % 353 / 891
49 Ansbach
39,4 % 67 / 170
50 Offenbach am Main
39,1 % 118 / 302
51 Wolfsburg
38,9 % 244 / 627
52 Wuppertal
38,8 % 526 / 1.354
53 Frankfurt am Main
38,5 % 990 / 2.570
53 Gelsenkirchen
38,5 % 445 / 1.155
55 Erfurt
38,3 % 283 / 739
56 Saarbrücken
36,8 % 452 / 1.229
57 Bottrop
36,0 % 214 / 595
58 Schwerin
35,2 % 160 / 455
59 Erlangen
35,1 % 146 / 416
60 Hamm
35,0 % 307 / 878
61 Stuttgart
34,9 % 819 / 2.349
62 Düsseldorf
34,4 % 1.053 / 3.061
63 Bochum
34,3 % 542 / 1.579
63 Mainz
34,3 % 265 / 772
65 Lübeck
34,2 % 333 / 974
66 Solingen
33,9 % 248 / 732
67 Braunschweig
33,5 % 371 / 1.107
68 Wiesbaden
32,9 % 396 / 1.203
69 Kempten (Allgäu)
32,8 % 109 / 332
70 Trier
32,7 % 165 / 505
71 Münster
32,4 % 410 / 1.264
72 Aschaffenburg
32,1 % 125 / 389
73 Bamberg
31,2 % 138 / 443
74 Köln
31,1 % 1.615 / 5.187
75 Augsburg
31,0 % 376 / 1.214
76 Passau
30,9 % 71 / 230
77 Straubing
30,7 % 61 / 199
77 Zweibrücken
30,7 % 73 / 238
79 Flensburg
30,4 % 147 / 484
80 Kaufbeuren
29,4 % 77 / 262
81 Pirmasens
29,3 % 43 / 147
82 Memmingen
29,2 % 57 / 195
83 Mülheim an der Ruhr
28,4 % 282 / 992
84 Koblenz
27,7 % 165 / 596
85 Osnabrück
27,1 % 153 / 565
86 Wilhelmshaven
26,7 % 66 / 247
86 Suhl
26,7 % 32 / 120
88 Kassel
26,3 % 245 / 930
89 Oldenburg (Oldenburg)
26,1 % 202 / 773
90 Karlsruhe
26,0 % 338 / 1.300
91 Schweinfurt
25,0 % 76 / 304
92 Schwabach
24,9 % 54 / 217
93 Würzburg
23,8 % 174 / 732
94 Landshut
23,1 % 80 / 347
95 Baden-Baden
22,2 % 68 / 306
96 Speyer
21,7 % 84 / 387
97 Darmstadt
20,3 % 187 / 921
98 Regensburg
19,7 % 199 / 1.009
99 Coburg
17,6 % 77 / 438
100 Heidelberg
17,5 % 168 / 960
101 Ulm
16,6 % 126 / 758
102 Freiburg im Breisgau
16,5 % 195 / 1.182

Quote = Ehescheidungen je 100 Eheschließungen im Berichtsjahr 2025, jeweils selbe Stadt. Alle 102 kreisfreien Großstädte Deutschlands (Städte mit eigener Zählung in der amtlichen Statistik). Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Statistischer Bericht Kreise 2025.

Ruhrgebiet dominiert die Spitzengruppe

Unter den zehn Städten mit der höchsten Scheidungsquote liegen gleich vier im Ruhrgebiet: Duisburg (68,9 Prozent), Hagen (64,6 Prozent), Oberhausen (57,4 Prozent) und Herne (57,3 Prozent). Das Ruhrgebiet ist damit die Region mit der stabilsten Häufung hoher Scheidungsquoten in Deutschland: ein Muster, das sich schon in früheren Auswertungen zeigte und sich 2025 fortsetzt.

Ein Erklärungsansatz, den Soziolog:innen für solche Cluster häufig anführen: Strukturwandel-Regionen mit geringerem Durchschnittseinkommen und höherer Arbeitslosigkeit zeigen bundesweit tendenziell höhere Scheidungsraten. Wirtschaftlicher Druck bleibt einer der stärksten Prädiktoren für Trennungen.

"Finanzieller Druck kann zum Beziehungsproblem werden"

Die Psychologin Borbala Rozsnyik ordnet den Zusammenhang zwischen Geld und Trennung ein:

Finanzieller Druck kann langfristig zum Beziehungsproblem werden: Anhaltende Unsicherheit, die Angst vor Arbeitslosigkeit oder das Gefühl, als Familie ständig an der Belastungsgrenze zu leben, können einen dauerhaften Stresszustand erzeugen. Die Partner reagieren dann häufig gereizter, Konflikte entstehen schneller, und gleichzeitig bleibt weniger emotionale Kraft für Zuwendung, Intimität und gemeinsame Problemlösungen.

Nach außen gehe es dabei oft um Nebensächlichkeiten, so Rozsnyik weiter:

Oberflächlich geht es bei einem Streit vielleicht um den Einkauf, eine Rechnung oder darum, wer wie viel ausgegeben hat. Dahinter stehen jedoch oft viel grundsätzlichere Ängste: Sind wir sicher? Kann ich mich auf meinen Partner verlassen? Sind die Belastungen zwischen uns fair verteilt? Haben wir noch eine gemeinsame Zukunft? Bleiben diese Fragen über längere Zeit unbeantwortet, kann sich finanzieller Druck allmählich in eine Vertrauens- und Beziehungskrise verwandeln.

Vor einer zu einfachen Lesart der Zahlen warnt die Psychologin allerdings:

Ein geringeres Einkommen zerstört selbstverständlich nicht automatisch eine Ehe – ebenso wenig garantiert Wohlstand eine stabile Partnerschaft. Wirtschaftliche Belastungen wirken vielmehr häufig wie ein Verstärker für bereits vorhandene Probleme. War es schon vorher schwierig, offen über Geld, Verantwortung oder Ungleichgewichte zu sprechen, können der Verlust des Arbeitsplatzes, steigende Lebenshaltungskosten oder dauerhafte Unsicherheit diese Konflikte deutlich verschärfen.

Auch strukturschwache Regionen wie das Ruhrgebiet ordnet sie differenziert ein:

In Regionen, die stark vom Strukturwandel betroffen sind, geht es zudem nicht allein um ein niedrigeres individuelles Einkommen. Auch begrenzte berufliche Perspektiven, Zukunftssorgen und anhaltende gesellschaftliche Unsicherheit können die Menschen belasten. Das könnte mit erklären, warum sich in wirtschaftlich schwächeren Regionen gehäuft höhere Scheidungsquoten zeigen. Wichtig ist jedoch: Das Ranking zeigt einen statistischen Zusammenhang, beweist aber keinen direkten ursächlichen Zusammenhang. Um die Rolle der wirtschaftlichen Lage genauer beurteilen zu können, müssten Einkommen, Arbeitslosigkeit, Altersstruktur, Ehedauer und weitere lokale Faktoren gemeinsam untersucht werden.

Osten liegt im Schnitt vorn – Spitzenwerte kommen aus dem Westen

Die 18 ostdeutschen Großstädte im Ranking kommen auf eine durchschnittliche Scheidungsquote von 46,8 Prozent, die 84 westdeutschen auf 38,5 Prozent. Das ist kein Widerspruch zur Dominanz des Ruhrgebiets an der Tabellenspitze: Die höchsten Einzelwerte finden sich zwar in einzelnen West-Städten, dort liegen aber auch die niedrigsten Werte Deutschlands, etwa in Freiburg oder Ulm. Diese Spannbreite drückt den West-Durchschnitt nach unten. Im Osten dagegen liegt das Niveau gleichmäßiger auf mittlerem bis hohem Niveau, ohne vergleichbare Ausreißer nach unten. Deshalb liegt der Ost-Durchschnitt trotz fehlender Top-Platzierungen insgesamt höher.

Angeführt wird der Osten von Halle (Saale) (67,7 Prozent) und Frankfurt (Oder) (56,6 Prozent), gefolgt von Magdeburg (51,8 Prozent) und Brandenburg an der Havel (49,4 Prozent). Der Abstand von über acht Prozentpunkten im Städtedurchschnitt deckt sich mit einem seit Jahrzehnten beobachteten Muster der amtlichen Statistik: Ehen, die in den neuen Bundesländern geschlossen werden, enden im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich häufig vor dem Scheidungsrichter.

Millionenstädte: Hamburg knapp über 50, Köln überraschend hinten

Hamburg ist mit 50,1 Prozent die einzige deutsche Millionenstadt über der 50-Prozent-Marke, knapp vor Berlin (48,5 Prozent). München (39,7 Prozent) und Köln (31,1 Prozent) liegen dagegen deutlich darunter. Köln bildet damit das Schlusslicht unter den vier Millionenstädten, mit weniger als einem Drittel Scheidungen je Eheschließung.

Wo Ehen halten: süddeutsche Universitätsstädte vorn

Am anderen Ende der Tabelle dominieren Baden-Württemberg und Bayern: Freiburg im Breisgau (16,5 Prozent), Ulm (16,6 Prozent), Heidelberg (17,5 Prozent) und Coburg (17,6 Prozent) haben die niedrigsten Scheidungsquoten Deutschlands, durchweg Universitäts- oder Kurstädte mit vergleichsweise stabilen Ehen. Der bundesweite Durchschnitt liegt 2025 bei 40,3 Prozent.

Was das für Beziehungen bedeutet

Eine hohe Scheidungsquote heißt nicht automatisch, dass in einer Stadt weniger Liebe herrscht. Oft sagt sie mehr über Lebensrealität als über Gefühle: Wirtschaftliche Lage, Ehedauer-Trends und regionale Heiratsmuster prägen die Zahlen mindestens so stark wie die Beziehungsqualität selbst. Klar wird aber auch: Der Trend zur früheren, bewussteren Trennung ist längst in der Fläche angekommen, ob in Bremerhaven, Halle oder Duisburg. Wer eine Beziehung führt, tut gut daran, sich weniger an Statistiken zu orientieren als an dem, was zwischen zwei Menschen tatsächlich funktioniert.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

  • Bremerhaven führt mit 85,2 Prozent (155 Scheidungen / 182 Eheschließungen 2025)
  • 19 von 102 Großstädten liegen über der 50-Prozent-Marke
  • 68,7 Prozentpunkte Abstand zwischen Platz 1 (Bremerhaven) und Platz 102 (Freiburg im Breisgau)
  • Ost-West-Gefälle: 46,8 Prozent (Ost) vs. 38,5 Prozent (West) im Städtedurchschnitt

Methodik

Datenbasis ist der Statistische Bericht "Ehescheidungen, Eheschließungen, Geborene und Gestorbene nach Kreisen 2025" des Statistischen Bundesamts (Destatis), veröffentlicht im Rahmen der Pressemitteilung vom 26. Juni 2026. Erfasst sind alle 2025 rechtskräftig gewordenen Scheidungen sowie alle 2025 geschlossenen Ehen je Kreis bzw. kreisfreier Stadt. Die Quote setzt beide Werte je Stadt zueinander ins Verhältnis (Scheidungen ÷ Eheschließungen × 100) – sie beschreibt damit kein individuelles Scheidungsrisiko einzelner Ehejahrgänge, sondern das Verhältnis der 2025 registrierten Ereignisse. Berlin und Hamburg werden als Stadtstaaten mit den Landeswerten geführt. Für die Region Hannover und die Städteregion Aachen liegen keine eigenständigen Stadtwerte vor, da beide administrativ mit dem Umland zusammengefasst sind; sie fehlen daher im Ranking.

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