Von TGP-Seiten zu Fan-Plattformen: Wie sich Pornografie im Internet in 20 Jahren verändert hat

Von TGP-Seiten zu Fan-Plattformen: Wie sich Pornografie im Internet in 20 Jahren verändert hat
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Geschrieben von

Lea

Aus der Rubrik

Erst Briefmarken-Bildchen, dann Gratis-Tubes, heute Abo bei der Lieblings-Creatorin: Die Geschichte der Internetpornografie im Zeitraffer.

Wenn du um 2005 im Netz nach Erotik gesucht hast, sah das ungefähr so aus: eine endlose Seite voller winziger Vorschaubilder, blinkende Banner und die ständige Angst, aus Versehen den Familien-PC mit Pop-ups zu fluten. Zwanzig Jahre später zahlen Millionen Menschen einzelnen Creatorinnen direkt Geld, Pornhub sperrt sich in ganzen Ländern selbst aus, und Brüssel verschickt vorläufige Rügen an Pornoplattformen. Was zur Hölle ist dazwischen passiert?

Kurz gesagt: Pornografie im Internet hat in 20 Jahren drei Ären durchlaufen, und mit jeder hat sich die Macht verschoben. Erst lenkten Linklisten und Affiliate-Programme den Verkehr zu Paysites. Dann übernahmen ab 2006 kostenlose, werbefinanzierte Tube-Seiten und ein Konzern, der viele davon bündelte. Seit Ende der 2010er-Jahre verdienen die Performer selbst über Fan-Plattformen direkt mit. Dazu kamen Zahlungsdienstleister, die plötzlich strenger waren als jedes Gesetz, Altersprüfungen von London bis Texas und zuletzt künstliche Intelligenz. Schnall dich an, wir spulen durch.

Das Wichtigste in Kürze

Ära Zeitraum Was passierte
TGP & Affiliate späte 1990er bis Mitte 2000er Linklisten mit Vorschaubildern schicken Besucher zu Paysites, Affiliates kassieren Provision
Tube-Revolution ab 2006/07 YouPorn, RedTube, Pornhub, XVideos, xHamster: Gratis-Videos nach YouTube-Vorbild, finanziert durch Werbung
Konsolidierung 2010 bis 2013 Manwin, später MindGeek (heute Aylo), bündelt große Tubes und Studios
Live & mobil 2010er Webcam-Plattformen boomen, das Smartphone wird das wichtigste Gerät, VR kommt dazu
Payment-Schock Dezember 2020 Mastercard und Visa kappen Pornhub, Millionen Uploads verschwinden
Creator Economy ab 2016, Boom 2020 OnlyFans, Fansly & Co.: Performer verkaufen direkt an Fans
Regulierung & KI 2023 bis heute Altersverifikation in UK, USA, EU und Deutschland, Deepfake-Gesetze, KI-Klone

Vor den Tubes: TGP-Seiten, MGP und die Affiliate-Ära

Bevor es Gratis-Streams gab, war das Erotik-Internet vor allem eines: ein riesiges Werbe- und Weiterleitungssystem. Im Zentrum standen TGP-Seiten, kurz für „Thumbnail Gallery Post“. Das waren lange, nach Kategorien sortierte Listen mit kleinen Vorschaubildern. Jedes Bildchen führte zu einer kostenlosen Galerie mit ein paar Probefotos. MGP-Seiten („Movie Gallery Post“) funktionierten genauso, nur mit kurzen Videoclips.

Das Geschäftsmodell dahinter hieß Affiliate-Marketing. Paysites, also Abo-Seiten mit exklusiven Inhalten, stellten Partnern über sogenannte Sponsorenprogramme fertige Gratis-Galerien zur Verfügung, die „Free Hosted Galleries“. Klickte sich ein Besucher von der Galerie zur Paysite durch und schloss ein Abo ab, bekam der Partner Provision. Entweder als einmalige Prämie pro Anmeldung oder als laufende Umsatzbeteiligung.

Ein früherer Affiliate, der unter dem Pseudonym „Billy Watson“ über seine Zeit ab 1998 schreibt, nennt das einen ordentlichen Nebenverdienst: simple HTML-Seiten bauen, bei den großen TGPs einreichen, auf Klicks hoffen. Ein Teil der Technik, die all diese Klicks zählte, kam übrigens aus Deutschland: Der aus Aachen stammende Programmierer Fabian Thylmann schrieb laut Wikipedia Ende der 1990er die Tracking-Software NATS, mit der Affiliates ihre Provisionen abrechnen konnten. Merk dir den Namen, er taucht gleich wieder auf.

Das Prinzip „gratis anfüttern, dann verkaufen“ funktionierte lange. Bis jemand auf die Idee kam, gleich alles gratis zu zeigen.

2006/07: Die Tube-Revolution

Im Februar 2005 ging YouTube online, und plötzlich war klar: Videos im Browser funktionieren, und zwar für alle. Es dauerte nicht lange, bis die Erotikbranche das Prinzip kopierte. Seit Mitte 2006 tauchten werbefinanzierte, kostenlose Videoportale nach dem YouTube-Format auf. Manche sprachen von „Porn 2.0“, die britische Presse nannte YouPorn 2007 „das YouTube des Pornos“.

Die wichtigsten Starts in kurzer Folge (Daten laut den jeweiligen Wikipedia-Einträgen):

  • RedTube: 2006, der Name ist kein Zufall
  • YouPorn: August 2006
  • XVideos: März 2007
  • Pornhub: Mai 2007
  • xHamster: August 2007

Das Rezept war immer gleich: Nutzer laden Videos hoch, alle schauen gratis, Werbung zahlt die Rechnung. Bequem für Zuschauer, ein Albtraum für Studios, denn auf vielen Tube-Seiten landeten neben Amateurclips auch Szenen aus kommerziellen Produktionen, ohne dass die Rechteinhaber gefragt wurden. 2007 verklagte etwa das US-Studio Vivid die Seite PornoTube wegen Urheberrechtsverletzung. Der Fall endete mit einem außergerichtlichen Vergleich.

Gratis hat einen Preis: DVD-Krise, Piraterie und sinkende Gagen

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Die New York Times berichtete im Juni 2007 unter Berufung auf das Branchenmagazin AVN, dass der Umsatz mit Erwachsenenvideos in den USA von 4,28 Milliarden Dollar (2005) auf 3,62 Milliarden Dollar (2006) gefallen war. Für 2008 meldete das Branchenportal TheWrap ein Minus von 22 Prozent bei DVD-Verkäufen und -Verleih. Das war mehr als doppelt so viel wie der Rückgang in Hollywood, und als Schuldige wurden Gratis-Tubes ausgemacht.

Wie das konkret aussah, erzählte 2010 der Gründer des Studios Digital Playground der MIT Technology Review: Die Zahl der wöchentlichen Neuerscheinungen habe sich gegenüber fünf Jahren zuvor halbiert. Allein vom aufwendigen Blockbuster Pirates habe das Studio in einem einzigen Monat rund vier Millionen illegale Downloads gezählt. Laut demselben Bericht sank die Gage pro Szene von etwa 900 Dollar (2004) auf rund 600 Dollar (2010).

Ganz einig war sich die Branche nicht: Schon 2009 hielt ein XBIZ-Redakteur dagegen, die meisten Tube-Zuschauer hätten ohnehin nie bezahlt. Fest steht: Das alte Modell „DVD kaufen oder Abo abschließen“ hatte ein gewaltiges Problem bekommen. Wer sich für die Filme aus der Zeit davor interessiert, findet in unseren Porno-Klassikern der 80er und den besten Pornos aller Zeiten Lesestoff.

Ein Aachener baut ein Imperium: Von Manwin über MindGeek zu Aylo

Hier kommt Fabian Thylmann zurück. Im März 2010 kaufte der Deutsche die Geschäfte von Mansef und Interhub, zu denen unter anderem das Studio Brazzers und Pornhub gehörten, und bündelte sie in seiner Firma Manwin. Danach ging es Schlag auf Schlag:

  • 2011: Manwin übernimmt YouPorn und wird Betriebspartner für Teile des Online- und TV-Geschäfts von Playboy.
  • 2012: Die Studios Digital Playground und Reality Kings kommen dazu.
  • Dezember 2012: Thylmann wird in Belgien wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert.
  • Oktober 2013: Er verkauft seine Anteile an das Management, die Firma heißt fortan MindGeek.

Das Ergebnis war ein Konzern, der gleichzeitig die beliebtesten Gratis-Tubes und viele der Studios besaß, deren Inhalte dort liefen. Pornhub, YouPorn, RedTube und Tube8 auf der einen Seite, Brazzers, Reality Kings und Digital Playground auf der anderen. Der Journalist Jon Ronson widmete der Geschichte 2017 seine Podcast-Serie The Butterfly Effect, die zeigt, wie das Gratis-Modell das Leben von Darstellerinnen und Produzenten veränderte. Thylmanns deutsches Steuerverfahren war da bereits abgeschlossen: 2016 wurde das Hauptverfahren gegen eine Zahlung von fünf Millionen Euro eingestellt, in einem zweiten Verfahren erhielt er eine Bewährungsstrafe.

MindGeek selbst wechselte im März 2023 den Besitzer. Die kanadische Beteiligungsgesellschaft Ethical Capital Partners übernahm, im August 2023 folgte die Umbenennung in Aylo. Ruhiger wurde es nicht: 2023 räumte Aylo gegenüber dem US-Justizministerium ein, Einnahmen aus dem Menschenhandelsnetzwerk GirlsDoPorn erhalten zu haben, 2025 folgte ein Vergleich mit der US-Handelsbehörde FTC und dem Bundesstaat Utah.

Die Gegenbewegung: Premium statt Gratis

Nicht alle Studios haben den Kampf gegen die Tubes aufgegeben. Manche setzten bewusst auf das Gegenteil: aufwendige Produktionen, die nach Kino aussehen sollten. Greg Lansky gründete 2014 die Vixen Media Group, zu der Blacked (2014), Tushy (2015) und Vixen (2016) gehören. Ein frühes Beispiel für diesen Hochglanz-Ansatz ist das Tushy-Werk Being Riley aus dem Jahr 2015 mit Riley Reid in der Hauptrolle. Mehr zu dieser Strategie findest du in unserem Text über Vixen-Pornos.

Riley Reid

Herkunft:
Riley Reid kommt aus .
Brüste
Riley Reid hat Körbchengröße B und natürliche Brüste.
Größe:
Riley Reid ist 163 cm groß und wiegt etwa 49 kg.

Webcams: Als das Internet live ging

Parallel zu den Tubes wuchs ein ganz anderes Geschäft: Livecams. LiveJasmin startete schon 2001 in Ungarn, MyFreeCams ging im August 2004 online. Gegründet wurde MyFreeCams von einem gewissen Leonid Radvinsky. Behalte auch diesen Namen im Hinterkopf, er wird gleich sehr wichtig.

Das Prinzip ist bis heute ähnlich: Zuschauen ist oft kostenlos, wer mehr will, kauft virtuelle Tokens und verteilt sie als Trinkgeld oder bezahlt damit private Shows. Die Plattform behält einen Teil, bei Chaturbate (seit 2011) laut Wikipedia grob die Hälfte. Damit war das Webcam-Business eines der ersten großen Modelle, bei denen Performerinnen ohne Studio dazwischen direkt an ihren Fans verdienten. Die Soziologin Angela Jones nennt Camming eine milliardenschwere Industrie, belastbare globale Marktzahlen gibt es allerdings kaum.

Smartphone, HD und VR: Porno wandert in die Hosentasche

Im Juni 2007 kam das erste iPhone in den USA auf den Markt, und damit begann eine Verschiebung, die die Branche komplett umkrempelte. Steve Jobs hatte dabei wenig Lust auf Erotik: 2010 schrieb er einem Journalisten in einer berühmt gewordenen E-Mail, das iPad biete „Freiheit von Pornos“. Pornografische Apps blieben aus dem App Store verbannt. Der Browser aber nicht, und genau dort lief das Geschäft weiter.

Wie stark sich die Gewohnheiten verändert haben, zeigen die Jahresstatistiken von Pornhub. Laut Unternehmen überholten Smartphones den Desktop im Jahr 2014 erstmals knapp mit 45 zu 44 Prozent. 2019 kamen bereits 83,7 Prozent der Zugriffe von Mobilgeräten, 2024 entfielen 90,5 Prozent auf Smartphones. Im Jahr 2019 meldete Pornhub 42 Milliarden Besuche. Deutschland landete laut Pornhub-Jahresrückblick 2024 auf Platz 6 der Länder mit dem meisten Traffic, 2025 laut Medienberichten über den Rückblick auf Platz 5.

Die oft zitierte Schätzung, Pornos machten bis zu 30 Prozent des Datenverkehrs aus (so etwa Zeit Online 2012), ist umstritten. Analysen auf Basis von Seitenbesuchen kamen eher auf 2 bis 3 Prozent. Mit schnelleren Leitungen hielten außerdem HD und später 4K Einzug. Wer heute Wert auf Bildqualität legt, findet bei uns die schärfsten 4K-Pornos.

2016 war das Jahr der Virtual Reality: Pornhub eröffnete im März eine kostenlose VR-Kategorie, wenige Tage bevor die Oculus Rift an die ersten Käufer ausgeliefert wurde. Ob VR je zum Massenmarkt wird, ist offen, eine treue Nische hat sie aber gefunden. Unsere besten Virtual-Reality-Pornos zeigen, wo das Genre heute steht.

Zeitstrahl der wichtigsten Meilensteine der Internetpornografie von 2004 bis 2026
Die wichtigsten Meilensteine der Internetpornografie, 2004 bis 2026. Quellen: siehe Quellenliste am Ende des Artikels.

Dezember 2020: Als Visa und Mastercard den Stecker zogen

Wenn du einen einzigen Monat suchst, der die Branche verändert hat, dann ist es der Dezember 2020. Am 4. Dezember veröffentlichte der Kolumnist Nicholas Kristof in der New York Times den Beitrag „The Children of Pornhub“. Er warf der Plattform vor, Missbrauchsvideos mit Minderjährigen und nicht einvernehmliche Aufnahmen verbreitet und daran verdient zu haben.

Danach ging alles sehr schnell:

  • 8. Dezember: Pornhub erlaubt Uploads nur noch von verifizierten Partnern und Mitgliedern des eigenen Model-Programms und schafft Downloads weitgehend ab.
  • 10. Dezember: Mastercard beendet nach eigener Prüfung die Zusammenarbeit, Visa setzt die Annahme von Zahlungen aus.
  • 14. Dezember: Pornhub sperrt alle Inhalte nicht verifizierter Uploader. Laut der Suchfunktion der Seite schrumpft das Angebot von rund 13,5 Millionen auf unter drei Millionen Videos.

Mastercard zog die Schrauben danach für die ganze Branche an. Seit Oktober 2021 müssen Händler unter anderem Alter und Identität aller gezeigten Personen und aller Uploader dokumentieren, Inhalte vor der Veröffentlichung prüfen und Beschwerden binnen sieben Werktagen bearbeiten. Im August 2022 setzten Visa und Mastercard zusätzlich die Kartenzahlung bei TrafficJunky aus, der Werbetochter von MindGeek, nachdem ein US-Gericht eine Klage gegen Visa zugelassen hatte.

Die eigentliche Lehre aus dieser Zeit: Die strengsten Regulierer der Pornobranche sitzen nicht unbedingt in Parlamenten, sondern bei Kreditkartenfirmen und Banken. Ohne Zahlungsabwicklung kein Geschäft, so einfach ist das.

Creator Economy: Wie OnlyFans & Co. die Branche umbauten

Während die Tubes unter Druck gerieten, wuchs nebenan ein neues Modell. Die Idee, dass Performer ihre eigenen Clips verkaufen, war gar nicht so neu. Clips4Sale gibt es seit 2003, ManyVids wurde 2014 von der früheren Cam-Darstellerin Bella French gegründet. Den Durchbruch für das Abo-Modell brachte aber eine Londoner Plattform.

OnlyFans startete im November 2016, gegründet von Tim Stokely. 2018 (manche Quellen nennen 2019) übernahm niemand anderes als Leonid Radvinsky, der MyFreeCams-Gründer, die Mehrheit an der Muttergesellschaft. Die Webcam-Ära und die Fan-Ära teilen sich also eine Schlüsselfigur.

Richtig explodiert ist OnlyFans in der Pandemie. Im Geschäftsjahr bis November 2020 zahlten Fans laut Unternehmenszahlen rund 2,4 Milliarden Dollar, etwa siebenmal so viel wie im Jahr davor.

Dann kam der Moment, in dem die Fan-Ökonomie fast vorbei gewesen wäre. Am 19. August 2021 kündigte OnlyFans an, ab Oktober keine sexuell expliziten Inhalte mehr zu erlauben, auf Wunsch der „Bankpartner und Auszahlungsdienstleister“. Sechs Tage und einen weltweiten Aufschrei später war der Plan wieder vom Tisch. Konkurrent Fansly, gestartet 2020, profitierte von der Panik: Viele Creator meldeten sich dort als Backup an.

Die aktuellen Dimensionen sind gewaltig. Laut Unternehmen hat OnlyFans seit 2016 mehr als 30 Milliarden Dollar an Creator ausgezahlt, im Geschäftsjahr 2025 allein rund 6,2 bis 6,3 Milliarden. Creator behalten 80 Prozent ihrer Einnahmen, die Plattform 20. Im März 2026 starb Radvinsky im Alter von 43 Jahren an Krebs. Wenige Wochen später, im Mai 2026, kaufte die Investmentfirma Architect Capital rund 16 Prozent der Firma, bei einer Bewertung von etwa 3,15 Milliarden Dollar.

Die Schattenseite: Wenige verdienen viel, viele wenig

So glamourös die Zahlen klingen: Reich werden die wenigsten. OnlyFans nennt 5.076 Creator, die im Lauf ihrer Karriere mehr als eine Million Dollar verdient haben. Dem stehen rund fünf Millionen Creator-Konten gegenüber. Teilt man die Auszahlungen grob durch die Zahl der Konten, landet man bei durchschnittlich etwa 100 Dollar im Monat (unsere eigene Überschlagsrechnung, der Median dürfte deutlich darunter liegen). Dazu kommt ein Phänomen, das die Nachrichtenagentur Reuters 2024 ausführlich recherchiert hat: Agenturen beschäftigen „Chatter“, die sich in Nachrichten als die Creatorin ausgeben. Die vermeintlich intime Unterhaltung führst du dann womöglich mit einem Angestellten.

Und in Deutschland?

Auch hierzulande gab es früh eine eigene Amateurszene. Plattformen wie MyDirtyHobby (gestartet 2006 und heute ebenfalls Teil von Aylo) machten Amateure zu Marken, lange bevor „Creator“ ein Modewort war. Ein Beispiel ist Dirty Tina, die als Amateurin angefangen hat und heute ihr eigenes Label betreibt. Im Interview mit uns erzählt sie, dass sie vor allem mit Usern dreht, die sie über die Portale kennengelernt hat. Wer die aktuellen Gesichter der Szene sucht, wird bei den Amateur-Stars 2026 fündig.

Dirty Tina

Brüste
Dirty Tina hat Körbchengröße D und natürliche Brüste.
Größe:
Dirty Tina ist 167 cm groß und wiegt etwa 55 kg.

Wer hat jetzt die Macht? Von den Studios zu den Performern

In der TGP-Ära verdienten vor allem Paysites und Affiliates, in der Tube-Ära die Plattformen, die den Traffic kontrollierten, während die Gagen pro Szene sanken. In der Fan-Ära setzen Performer ihre Preise selbst, produzieren selbst und haben einen direkten Draht zu ihrem Publikum. Studios gibt es weiterhin, und manche Stars arbeiten parallel für Produktionsfirmen und eigene Kanäle. Ganz so rosig ist das Bild aber nicht. Die Macht ist nicht einfach bei den Performern gelandet, sondern teilweise nur weitergewandert: zu den Fan-Plattformen, die Regeln und Gebühren festlegen, zu Agenturen, und vor allem zu Banken und Zahlungsdienstleistern, die mit einer Entscheidung ganze Geschäftsmodelle kippen können. Kein Wunder, dass Organisationen wie Pineapple Support, die Darsteller und Creator psychologisch unterstützen, immer wichtiger werden.

Altersverifikation: Das Ende des anonymen Klicks?

Die vielleicht größte Baustelle der letzten Jahre ist der Jugendschutz. Lange reichte auf den meisten Seiten ein Klick auf „Ich bin 18“. Damit ist vielerorts Schluss.

Großbritannien

Großbritannien hatte schon 2017 eine Altersprüfung für Pornoseiten beschlossen, kippte den Plan aber im Oktober 2019 wieder. Mit dem Online Safety Act von 2023 kam der zweite Anlauf. Seit dem 25. Juli 2025 müssen Seiten eine „hochwirksame“ Altersprüfung einsetzen, etwa per Ausweis, Kreditkarte oder Gesichtsschätzung. Laut der Medienaufsicht Ofcom sanken die Besuche auf Pornoseiten danach um fast ein Drittel, während sich die VPN-Nutzung zeitweise auf rund 1,5 Millionen tägliche Nutzer verdoppelte. Seit Februar 2026 lässt Pornhub in Großbritannien nur noch bestehende Konten rein, neue Nutzer werden abgewiesen. Ofcom verhängt inzwischen auch Bußgelder, zum Beispiel im Dezember 2025 eine Million Pfund gegen einen Betreiber von 18 Seiten.

USA

In den USA machte Louisiana den Anfang: Seit dem 1. Januar 2023 gilt dort ein Gesetz, das Altersprüfungen für Seiten mit einem hohen Anteil an Erwachseneninhalten verlangt. Viele Bundesstaaten zogen nach. Im Juni 2025 bestätigte der Supreme Court im Fall Free Speech Coalition v. Paxton mit 6 zu 3 Stimmen das texanische Gesetz. Inzwischen haben laut dem Branchenverband Free Speech Coalition 25 Bundesstaaten solche Regeln, andere Zählungen kommen auf bis zu 27. Pornhub hat sich in mehr als 20 Bundesstaaten lieber selbst gesperrt, als die Ausweise seiner Nutzer zu prüfen (Stand Sommer 2026).

Deutschland

Deutschland ist in Sachen Jugendschutz eigentlich ein Sonderfall, und zwar schon lange. Nach dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) darf Pornografie online nur in einer geschlossenen Benutzergruppe angeboten werden, also hinter einer echten Altersverifikation. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) bewertet, welche Systeme dafür taugen.

Gegen große ausländische Gratisseiten gestaltet sich die Durchsetzung dagegen zäh. Die Landesanstalt für Medien NRW untersagte 2020 Pornhub, YouPorn und MyDirtyHobby das Angebot in dieser Form. Das Oberverwaltungsgericht NRW bestätigte die Untersagung im September 2022, obwohl der Anbieter auf Zypern sitzt. Im selben Jahr mussten die fünf größten Provider die deutsche Adresse von xHamster sperren, die erste Netzsperre in diesem Umfang seit rund 20 Jahren. Die Seite wich prompt auf eine neue Subdomain aus.

Dann kam die Wende. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf entschied im November 2025 und erneut im April 2026, dass Telekom und Vodafone Pornhub und YouPorn nicht sperren müssen. Die Begründung: das Herkunftslandprinzip im EU-Recht, und seit dem Digital Services Act (DSA) seien die entsprechenden JMStV-Regeln gegenüber diesen Anbietern nicht mehr anwendbar. Die Berufung beim Oberverwaltungsgericht ist anhängig. Parallel gilt seit dem 1. Dezember 2025 eine Reform des JMStV, die Betriebssysteme von Smartphones, Konsolen und Smart-TVs künftig zu einer Jugendschutz-Einstellung per Knopfdruck verpflichtet. Diese Pflicht greift allerdings zeitversetzt.

EU, Frankreich und Italien

Auf EU-Ebene hat die Kommission das Heft in die Hand genommen. Im Dezember 2023 stufte sie Pornhub, Stripchat und XVideos als „sehr große Online-Plattformen“ nach dem DSA ein, im Juli 2024 folgte XNXX. Im Mai 2025 eröffnete sie förmliche Verfahren wegen mangelnden Jugendschutzes, und im März 2026 kam sie vorläufig zu dem Ergebnis, dass alle vier Plattformen gegen den DSA verstoßen. Eine Selbstauskunft oder ein Warnhinweis reiche nicht. Möglich sind Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Umsatzes, eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

In Frankreich zog Aylo im Juni 2025 die Konsequenz aus einem strengen Gesetz und sperrte Pornhub, YouPorn und RedTube für französische Nutzer. Italien verlangt seit November 2025 eine Altersprüfung nach dem Prinzip der „doppelten Anonymität“.

Für dich heißt das: Gratis ohne Ausweiskontrolle wird seltener, und VPNs sind kein verlässlicher Ausweg. Wie du dich online trotzdem sicher bewegst, steht in unseren Ratgebern zu Privatsphäre beim Pornos gucken und zu rechtswidriger Online-Pornografie. Und falls du gerade am Rechner sitzt: Hier sind 5 Dinge, die du beim Streamen von Pornos auf dem Laptop beachten solltest.

KI und Deepfakes: Die nächste Revolution ist schon da

Die jüngste Umwälzung kommt aus einer Richtung, die 2006 noch nach Science-Fiction klang. Der Begriff „Deepfake“ geht auf einen Reddit-Nutzer zurück, der Ende 2017 Gesichter von Prominenten per KI in Pornoszenen montierte. Reddit verbannte das entsprechende Forum im Februar 2018. Ein Bericht der Firma Deeptrace zählte 2019 knapp 14.700 Deepfake-Videos im Netz, 96 Prozent davon waren nicht einvernehmliche Pornografie.

Inzwischen reagiert die Politik. In den USA unterzeichnete Präsident Trump im Mai 2025 den TAKE IT DOWN Act, der Plattformen verpflichtet, gemeldete nicht einvernehmliche intime Bilder binnen 48 Stunden zu entfernen. In der EU gelten seit dem 2. August 2026 die Transparenzpflichten des AI Act, nach denen Deepfakes gekennzeichnet werden müssen. In Deutschland hat das Justizministerium im April 2026 einen Gesetzentwurf zum Schutz vor digitaler Gewalt vorgelegt, der schon das Erstellen sexualisierter Deepfakes strafbar machen soll. Ein Beschluss von Kabinett oder Bundestag war bis Redaktionsschluss nicht bekannt.

Wie akut das Thema ist, zeigte der Jahreswechsel 2025/26: Über eine Bildbearbeitungsfunktion des KI-Chatbots Grok auf X ließen sich Fotos realer Frauen und sogar Minderjähriger digital „entkleiden“. Die britische Ofcom und die EU-Kommission leiteten im Januar 2026 Verfahren ein.

Es gibt aber auch die einvernehmliche Seite der KI. Riley Reid startete im Oktober 2023 die Plattform Clona.ai, auf der Fans mit KI-Versionen von Creatorinnen chatten können, die ihrem digitalen Zwilling ausdrücklich zugestimmt haben und mitbestimmen, worüber er spricht. Auch OpenAI kündigte im Oktober 2025 an, erotische Inhalte für verifizierte Erwachsene zuzulassen, hat den Start aber mehrfach verschoben. Die große Frage der nächsten Jahre lautet also nicht mehr, ob KI Pornografie verändert, sondern wer dabei zustimmt und wer daran verdient.

Und jetzt? Ein Ausblick auf die nächsten Jahre

Jede neue Technik hat das Erotik-Internet umgekrempelt, aber jedes Mal auch die Frage nach Verantwortung lauter gemacht. Die Gratis-Ära hat gezeigt, wie schnell Inhalte ohne Zustimmung oder Altersnachweis zirkulieren können. Zahlungsdienstleister, Gerichte und Gesetzgeber haben darauf reagiert, manchmal holprig, aber mit klarer Richtung: mehr Nachweise, mehr Verantwortung bei den Plattformen, weniger Anonymität.

Für Zuschauer heißt das, dass die Herkunft eines Videos wichtiger wird. Wer bezahlt, will wissen, wofür und an wen. Genau hier haben Einzelkauf-Shops einen Platz gefunden, der zwischen Gratis-Tube und Abo-Plattform liegt: Du kaufst einen Film von einem lizenzierten Studio, ohne Abo, mit Altersprüfung und klaren Rechten. Ein Geheimrezept ist das nicht, aber ein faires Modell. Mehr dazu in unseren 10 Gründen, für Pornos zu bezahlen. Und wer bewusster konsumieren möchte, findet Tipps in unserem Ratgeber Pornos auf ethische Weise schauen.

Was als Nächstes kommt? Vermutlich Altersprüfungen direkt im Betriebssystem, mehr KI-generierte Inhalte mit Kennzeichnungspflicht und ein harter Wettbewerb darum, wem Fans ihr Vertrauen schenken. Die Briefmarken-Bildchen von 2005 wirken dagegen fast niedlich.

FAQ: Häufige Fragen zur Geschichte der Internetpornografie

Was waren TGP-Seiten?

TGP steht für „Thumbnail Gallery Post“. Das waren Linklisten mit kleinen Vorschaubildern, die zu kostenlosen Probegalerien von Paysites führten. Die Betreiber verdienten Provision, wenn Besucher über ihre Links ein Abo abschlossen. Ihre Blütezeit hatten sie, grob gesagt, von den späten 1990er-Jahren bis Mitte der 2000er.

Wann entstanden die ersten Tube-Seiten?

Die großen werbefinanzierten Gratis-Videoportale entstanden ab Mitte 2006 nach dem Vorbild von YouTube. RedTube und YouPorn starteten 2006, XVideos, Pornhub und xHamster folgten 2007.

Wem gehört Pornhub?

Pornhub gehört zum Konzern Aylo, der bis August 2023 MindGeek hieß. Seit März 2023 ist die kanadische Beteiligungsgesellschaft Ethical Capital Partners Eigentümerin. Zum Konzern gehören auch YouPorn, RedTube und Studios wie Brazzers.

Warum haben Visa und Mastercard Pornhub gesperrt?

Nach einem Bericht der New York Times im Dezember 2020 über Missbrauchsvideos auf der Plattform prüfte Mastercard nach eigenen Angaben die Seite, fand illegale Inhalte und beendete die Zusammenarbeit. Visa setzte die Zahlungen aus. Pornhub sperrte daraufhin alle Videos nicht verifizierter Uploader.

Wann wurde OnlyFans gegründet?

OnlyFans startete im November 2016 in London. Den großen Boom erlebte die Plattform während der Corona-Pandemie 2020.

Was sind Deepfake-Pornos?

Deepfakes sind per KI erzeugte oder manipulierte Videos, bei denen etwa Gesichter realer Menschen in Pornoszenen montiert werden. Laut einem Deeptrace-Bericht von 2019 waren 96 Prozent aller Deepfake-Videos nicht einvernehmliche Pornografie. In den USA müssen Plattformen solche Inhalte seit dem TAKE IT DOWN Act nach einer Meldung binnen 48 Stunden entfernen, in der EU gilt seit August 2026 eine Kennzeichnungspflicht für Deepfakes.

Ist Altersverifikation für Pornoseiten in Deutschland Pflicht?

Ja. Nach dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag dürfen pornografische Inhalte online nur in geschlossenen Benutzergruppen mit Altersverifikation angeboten werden. Wie weit deutsches Recht gegenüber Anbietern aus anderen EU-Staaten durchgesetzt werden kann, ist derzeit vor Gericht umstritten.

Fazit: 20 Jahre, drei Ären und kein Ende in Sicht

Kaum eine Medienbranche hat sich in zwei Jahrzehnten so radikal verändert wie die Pornografie im Internet. Die Gratis-Tubes haben Studios und Gagen unter Druck gesetzt, die Creator Economy hat Performern mehr Kontrolle gegeben, aber neue Abhängigkeiten geschaffen. Banken, Gerichte und Gesetzgeber haben die Spielregeln verschärft, und KI wirft schon die nächsten Fragen auf. Der anonyme Gratis-Klick von 2006 ist nicht mehr das Maß aller Dinge, und das ist, bei allem Nostalgie-Faktor, keine schlechte Nachricht.

Quellen (Auswahl)

  • Matt Richtel: „For Pornographers, Internet’s Virtues Turn to Vices“, The New York Times, 2. Juni 2007
  • Amy Kaufman: „Internet Piracy Killing Porn’s Profits“, TheWrap, 12. Februar 2009
  • Scott Fayner: „Down the Tubes“, MIT Technology Review, 25. August 2010
  • Kai Biermann: „Pornos treiben die Entwicklung des Netzes voran“, Zeit Online, April 2012
  • Nicholas Kristof: „The Children of Pornhub“, The New York Times, 4. Dezember 2020
  • TechCrunch, Bloomberg, Fortune und CNBC zu Pornhub, Mastercard und Visa (Dezember 2020 und August 2022)
  • Mastercard: neue Regeln für Erwachseneninhalte (April 2021)
  • Variety, The Guardian, Reuters und Bloomberg zu OnlyFans-Geschäftszahlen und Eigentümern (2021 bis 2026)
  • Reuters-Recherche zu OnlyFans-„Chattern“ (2024)
  • Ofcom, heise online und The Register zum Online Safety Act (2025/26)
  • SCOTUSblog: Free Speech Coalition v. Paxton (Juni 2025)
  • LTO, beck-aktuell und netzpolitik.org zu KJM, JMStV und den Urteilen des VG Düsseldorf (2022 bis 2026)
  • EU-Kommission: DSA-Verfahren gegen Pornoplattformen (2023 bis 2026)
  • Vice/Motherboard und Deeptrace zu Deepfakes (2018/2019)
  • Gizmodo zu Clona.ai (2023)
  • Pornhub Year in Review (2014 bis 2025, Angaben des Unternehmens)

Hinweis: Alle Zahlen und Daten haben wir am 2. Oktober 2026 geprüft. Angaben von Unternehmen wie Pornhub, Aylo oder OnlyFans sind deren eigene Zahlen und nicht unabhängig geprüft. Rechtliche Entwicklungen, vor allem rund um Altersverifikation, ändern sich derzeit schnell.

Eva schreibt im EROTIK.com Blog über Filme, Studios und die Geschichte der Branche. Ihr Anspruch: Fakten mit Quellen statt Bauchgefühl, und ein Blick dafür, was hinter der Kamera passiert.

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